Kreuzfahrten mit Handicap

Barrierefreier Urlaub: Planung ist die halbe Miete

Eine Behinderung hindert einen längst nicht mehr, in fremde Kulturen einzutauchen. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte rund um barrierefreies Reisen.

Der große Speisesaal lädt zum ausgiebigen Frühstück ein. Doch der Rollstuhlfahrer kommt gar nicht erst hinein. Die Tür ist nicht breit genug. Im Lift tastet der Sehbehinderte nach den Knöpfen mit Punktschrift, aber er weiss nicht, wann er aussteigen soll. Es gibt keine akustische Ansage, die durchsagt, auf welchem Deck er sich befindet.

Vielen Menschen sind diese Dinge oftmals gar nicht bewusst. Für gesundheitlich angeschlagene Menschen und Menschen mit Behinderung sind dies oft unüberwindbare Details, die eine Reiseplanung zunichte machen. Auch wenn Urlaubsdestinationen weltweit immer barrierefreier werden und mehr und mehr Reedereien ihre Schiffe behindertengerechter gestalten: Eine Kreuzfahrt mit Handicap will gut geplant sein. Und vor allem, welches Schiff ist das Richtige?

Barrierefreie Kabine

Die Vorteile einer Kreuzfahrt gegenüber Reisen an Land sind klar: Reisende mit Rollstuhl haben ihre barrierefreie Kabine immer dabei. Sie können viele Länder bereisen, ohne sich jedes Mal ein Hotel mit entsprechender Ausstattung suchen zu müssen. Trotzdem sollte man die Räumlichkeiten, insbesondere die benötigten Maße und den Service an Bord vor der Buchung erfragen. Royal Caribbean und Aida sind bereits bei vielen Rollstuhlfahrern als geeignete Kreuzfahrt-Reedereien bekannt. Alle Schiffe in den Flotten sind rollstuhlgeeignet, genau wie die von Cunard Cruise Line und die Mein Schiff Flotte von Tui Cruises. Auch die 14 Schiffe von Costa verfügen über behindertengerechte Kabinen und Einrichtungen. Besonders beliebt ist hierbei das Schiff Costa Atlantica. Für den perfekten Ausblick: Die MSC Musica bietet ebenfalls behindertengerecht eingerichtete Außenkabinen mit Balkon an. Die Schiffe Gem, Pearl und Jade von Norwegian Cruise Line bieten jeweils schöne Penthouse und Mini Suiten mit Balkon. Gerne gebucht werden auch die Celebrity Constellation von Celebrity Cruises und die Amsterdam von Holland America Line. Tendenziell gilt: Die neueren Schiffe sind meist behindertengerechter gebaut als die älteren. So ist zum Beispiel die MS Albatros von Phoenix aus dem Baujahr 1973 zwar behindertengerecht nachgerüstet worden, weist aber in einigen Bereichen noch Schwellen auf, die das Reisen mit Rollstuhl erschweren können. Das neuere Schiff von Phoenix hingegen, die MS Amadea, ist da schon besser ausgestattet und hat auf dem Panorama-Deck schöne und behindertenfreundliche Junior-Suiten.

Ab auf‘s Land

Je nach Hafen und Wellengang hakt es bei Landgängen manchmal: Oft werden Tenderboote benötigt, um das Land zu erreichen. Rollstuhlfahrer können das kaum nutzen. Vor allem in Tidehäfen wie zum Beispiel Hamburg, Zeebrügge, sowie auf den Kanarischen Inseln kann es aufgrund der schwankenden Wasserstände problematisch werden. So bietet beispielsweise die Holland-America Line für solche Fälle spezielle Boote an, die helfen, besser an Land zu kommen. Probleme ergeben sich auch oft bei Reisebussen während der Landgänge. Daher ist es wichtig, sich vor der Reise über geeignete Transfer Möglichkeiten zu informieren. Einige Reedereien, wie zum Beispiel Aida, laden auf jeder Reise am ersten Tag zu einem „Barrierefrei-Treff“ ein, um Gäste zu Ausflügen und Landgängen zu beraten. Tipp: Über „Wheelmap.org“ können Sie mithilfe eine Online-Karte rollstuhlgerechte Orte Suchen und Finden. Wie bei Wikipedia kann jeder mitmachen und öffentlich zugängliche Orte entsprechend ihrer Rollstuhlgerechtigkeit markieren – weltweit.

Rolli ist nicht gleich Rolli

Auf den Kreuzfahrtschiffen mit barrierefreiem Angebot gibt es meist zwar Rollstühle, doch sind diese für Patienten an Bord gedacht, die während der Kreuzfahrt erkranken. Alternativ können Sie sich bei Buchung mit Royal Caribbean direkt telefonisch mit Direct Care Vacations (Tel.: +1 780 986 6404, USA) in Verbindung setzen, um einen Rollstuhl zu mieten. Aida bietet ebenfalls diesen Service. Einfach eine Email an: [email protected] senden und sich beraten lassen.

Nicht zu empfehlen: Mitnahme von elektrischen Rollis. Spätestens in der Kabine, aber auch an der einen oder anderen Stelle auf dem Schiff, kann es eng werden, weil die komfortablen E-Rollis breiter sind und somit die Bewegungsfreiheit einschränken. Falt- oder E-Fix-Rollstühle sind mit kleineren Abmessungen deutlich leichter in den Gängen zu manövrieren. Und: Da Rollstühle und Gehilfen meist in der eigenen Kabine oder Suite untergebracht werden müssen, ist ein zusammenklappbares Modell auch sehr platzsparend. Aus Sicherheitsgründen werden an Bord keine Rollstühle zugelassen, die durch Nass- oder Säurebatterien betrieben werden. Das Batterieladegerät muss bei 110 Volt nutzbar sein.

Von A nach B

Auf den Schiffen müssen oft lange Strecken zurückgelegt werden. Nehmen Sie am besten eine Kabine in der Nähe des Aufzuges – so sparen Sie Wegstrecke, auch wenn es dort etwas lauter sein kann. Gleich noch einen Vorteil haben Sie, wenn die Kabine in der Mitte des Schiffes liegt: Die Kabinen sind weniger vom Wellengang beeinflusst und somit ruhiger gelegen.
Die Wege zu Geschäften, Restaurants, Bars und anderen öffentlichen Räumen können oft erschwert sein. Gibt es dort genügend Rampen? Fragen Sie gegebenenfalls auch nach hydraulischen Lifts am Pool, wenn Sie gerne im Urlaub schwimmen möchten. Für die, die gerne ins Casino gehen: Royal Caribbean bietet behindertengerechte Black Jack-Spieltische an. Allgemein sollten Sie beachten, dass Teppiche auf den meisten Schiffen höhere Fasern haben. Das führt dazu, dass Rollstühle deutlich schwerer darauf zu fahren sind. Je nach eigener körperlicher Verfassung muss man dementsprechend entweder mehr Kraft aufbringen oder sich von einer Begleitperson helfen lassen. Am besten bitten Sie vor Antritt der Reise, aber spätestens bei der Einschiffung, um einen gut platzierten Tisch im Speisesaal – aus Platzgründen kann es dort nämlich etwas enger sein. Und aus Sicherheitsgründen: Finden Sie heraus, wie weit es von der Kabine zum Ausgang des Schiffes ist.

Spezielle Diäten

Glutenfreie Mahlzeiten während der Urlaubsreise? Das ist heute zum Glück kein Problem mehr. Bei rechtzeitiger Voranmeldung können Reedereien Ihnen eine Reihe von speziellen Diätwünschen erfüllen – ob für Diabetiker, Personen mit Laktoseintoleranz, Vegetarier und viele weitere. Zusätzlich sollte die Küche informiert werden, wenn es um spezielle Ernährungseinschränkungen oder Allergien geht. Informieren Sie die Reederei möglichst schon bei der Buchung, spätestens jedoch 8 Wochen vor Abfahrt über Ihre Sonderwünsche, damit diese individuell abgestimmt werden können.

Dialyse-Stationen auf Kreuzfahrtschiffen

Kreuzfahrten sind inzwischen für Dialysepatienten eine normale Urlaubsalternative geworden. Bieten doch schon viele Schiffe eine eigene Dialyse-Station mit ärztlicher Betreuung an, wie zum Beispiel die MS Europa und die MS Deutschland. Infos und Beratung auf welchen Reisen das Angebot betrieben wird, erhalten Sie unter Telefon: 0800 – 4477123 262 (kostenlos aus dem dt. Festnetz). Auch verfügen die EUROPA und die EUROPA 2 von Hapag Llyod über ein entsprechendes Angebot. Auf ausgewählten Reisen beider Schiffe steht den Gästen auf Anfrage ein Dialyse-Arzt zur Verfügung, der sich bereits vor Reisebeginn mit den Gästen in Verbindung setzt, um die Details zu besprechen. Royal Caribbean Internation bietet nur dauerhaft ambulante Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) an. Zudem gibt es die Möglichkeit, an ausgewählten Terminen auf der TUI Mozart als Dialysepatient eine Flusskreuzfahrt auf der Donau zu buchen. A-ROSA, Cunard Lines, Holland America Line, MSC, TUI Cruises/Mein Schiff, AIDA, Carnival Cruise Lines und Norwegian Cruise Lines betreuen und warten keine Dialyse Maschinen für Gäste an Bord, die auf eine Hemo-Dialyse angewiesen sind. Aber bei allen gilt: Fragen Sie jeweils nach, ob eine Reise möglich ist, wenn Sie die Dialyse eigenständig durchführen können.

Sauerstofftherapie

Gäste können meist ohne Probleme ihre Sauerstoff oder andere Beatmungsgeräte mit an Bord bringen. Leider bieten nur wenige Schiffe einen eigenen Dienst hierfür an. Mit Sea Cloud können Sie zum Beispiel auch mitApnoe sorgenfrei reisen. Hierbei muss vorab angegeben werden, ob und dass ein Beatmungsgerät mitgebracht wird, so dass die Information rechtzeitig ans Schiff gehen kann. Auch Carnival Cruise Lines ist für eine Sauerstofftherapie ausgestattet. Die Reederei weist zusätzlich darauf hin, dass Ihr Medizintechnikunternehmen oder Sanitätshaus die Reederei kontaktieren sollte, da sonst keine problemlose Zolleinführung gewährleistet werden kann.

Services für Gäste mit Seh- und Hörbehinderung

Bei der Suche nach einem geeigneten Schiff, sollten Gäste mit körperlichen Einschränkungen auf folgende Einrichtungen und Services achten: Sind Menükarten, Hinweisschilder und weitere Informationen in Brailleschrift und Großschrift, gibt es Knöpfe im Aufzug in Brailleschrift, sowie akustische Signale zur Orientierung? Und gibt es ein Stroboskoplicht an der Tür und Telefon mit Verstärker, eine Alarmglocke mit Vibrator unter Kopfkissen und Matratze? Hilfreich sind auch frühere Einschiffung und Orientierungsrundgänge. Auch verfügt nicht jedes Schiff über Fernsehgeräte mit dem Modus „Untertitel“. Bei Royal Caribbean können Sie ein entsprechendes Gerät bei den Schiffen Monarch of the Seas, Majesty of the Seas oder Sovereign of the Seas vor Reisebeginn bestellen. Auch sind Carnival Cruise Lines und Holland America Lines vorbildlich für Menschen mit Hör- und Sehbehinderung ausgestattet. Auf allen Princess-Schiffen steht kostenlos der Dragon Reader für Lesen im Internet für blinde Passagiere zur Verfügung.

Theaterfans sollten nach einem FM-Empfänger fragen, der den Klang im Theater verbessert. Auf Wunsch stellen auch einige Reedereien Personal, das die Gebärdensprache beherrscht, wie zum Beispiel Royal Caribbean. Das ist vor allem für große Shows an Bord, Landausflüge oder Shopping hilfreich. In der Regel sollte dies bis 60 Tage vor Reisebeginn angegeben werden. Die Theater an Bord der Norwegian Dawn, Gem, Jade, Jewel, Pearl, Star und der Pride of America verfügen über induktive Höranlagen, damit Sie das preisgekrönte Entertainment an Bord in vollen Zügen genießen können. Auf den Schiffen der Voyager und Freedom Klasse von Royal Caribbean sind die Royal Promenade sowie die große Lounge mit Showprogramm zusätzlich mit Infrarotsystemen ausgestattet.

Blindenhunde an Bord

Klären Sie gegebenenfalls auch, ob Blindenhunde mitgeführt werden dürfen. Royal Caribbean stellt auf seinen Schiffen spezielle Hundeboxen in der Kabine bereit. Norwegian Cruise Lines erwähnt, dass die bereitgestellten Hunde-Boxen sogar regelmäßig von der Crew gereinigt werden. Bei Cunard Lines dürfen Blindenhunde ebenfalls in der Kabine/Suite des Besitzers reisen. Princess Cruises akzeptiert unter Umständen sogar “helping hand monkeys” an Bord, also speziell ausgebildete Affen. Carnival Cruise Lines erlaubt zwar Begleittiere an Bord, aber nur, wenn diese sich nicht mehr in der Ausbildung befinden. Mehr Informationen hierzu können Sie per Email erhalten: [email protected] Alle Kreuzfahrtgesellschaften erwarten, dass Tiere rechtzeitig, meist mindestens 30 Tage vor Abfahrt, angemeldet werden. Denken sie daran, dass viele Länder Quarantänebestimmungen und Einfuhr-Regelungen für Tiere haben. So kann ein Hund nicht immer mit bei Landausflügen. Und: Ja, auch Hunde können seekrank werden!

Reisen mit Medikamenten

Wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen, ist es ratsam ihre benötigten Arzneimittel in der Originalverpackung mit dem Beipackzettel mitzunehmen. So können Sie bei Bedarf die Medikamente mit dem gleichen Wirkstoff leichter besorgen. Manche Arznei müssen gekühlt werden, also klären Sie am besten vor der Reise, ob ihre Kabine über einen Kühlschrank verfügt. So sind beispielsweise Mein Schiff 1 und Mein Schiff 2 von Tui Cruises mit einer Minibar ausgestattet. Mein Schiff 3 und 4 leider nur in den Suiten. Auch an Bord der Norwegian Epic und auf der Norwegian Spirit sind Kühlschränke nur in den Suiten verfügbar. Bei der Cunard Flotte gibt es in allen Kabinen und Suiten Möglichkeiten zum Kühlen. So auch bei Princess Cruises und Royal Caribbean. Bei Reisen inklusive Flug: Lassen Sie ein Attest zum Nachweis Ihrer Krankheit von Ihrem Hausarzt anfertigen, damit es keine Probleme bei der Einfuhr der Medikamente gibt. Denken Sie auch über eine Reisekrankenversicherung mit Rücktransport nach. Sinnvoll ist gegebenenfalls zudem eine Reiserücktrittsversicherung.

 

 



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